
Modder des Monats: Fallout London
Als das Team hinter Fallout London sein Projekt vor einigen Jahren enthüllte, zog es direkt das Interesse der Modding-Community auf sich. Auch wenn es bereits eine Vielzahl an Mods gibt, die Fallout an einen anderen Ort verpflanzt haben, wagt dieses Gemeinschaftsprojekt den mutigen Schritt, ein Franchise zu nehmen, das stets für seine satirische Betrachtung amerikanischer Kultur bekannt war, und dieses nach London zu verfrachten, um dieselbe Betrachtung auf die reichhaltige britische Kultur des Vereinigten Königreichs anzuwenden.
Bei einer solchen Vielzahl an Einflüssen und Inhalten, die ihren Weg ins Spiel finden sollen, arbeiten die Multitalent-Modder von Team FOLON weiterhin hart daran, die Mod, die ihre eigene Version von London für die Spieler erlebbar machen soll, fertigzustellen. Auf ihrem Weg haben sie die individuellen Komponenten ihrer Mod, darunter Outfits, Waffen und vieles mehr, regelmäßig einzeln veröffentlicht und so das Interesse der Modding-Community aufrechterhalten. Vor Kurzem haben sie alle bisher veröffentlichten Inhalte zusammengetragen und in ihrem „Fallout London Standalone Releaser“ (Bethesda.net, Nexus) für neugierige Spieler zugänglich gemacht. Im Gespräch haben sie uns mehr über diese Veröffentlichungsstrategie, ihre mannigfaltigen Inspirationsquellen und die kollaborativen Arbeitsprozesse hinter dieser British Invasion erzählt.
Das Fallout-Franchise ist tief in der amerikanischen Kultur der 1950er Jahre verwurzelt und stellt die damals geltenden futuristischen Ideale einer postapokalyptischen Landschaft gegenüber. Wie schafft ihr es, dem Konzept treu zu bleiben, obwohl ihr Fallout in eine Stadt außerhalb der USA verpflanzt?
Obwohl sich die Fallout-Reihe auf Americana-Elemente bezieht und diese kommentiert, sind ihre Themen wie zum Beispiel der nie endende Kreislauf des Krieges, der Kampf der Menschheit ums Überleben und unsere unzähligen Versuche, zivilisatorische Zustände zu schaffen oder zu verbessern, auch universell anwendbar. Fallout London folgt auch der Design-Formel von Fallout 3 und Fallout 4, bei der die Spieler eine historische Stadt erkunden können, um mehr über die örtliche reale und fiktionale Geschichte und Kultur zu erfahren. Spieler können mit dem Schauplatz interagieren und durch einzigartige historische Besonderheiten – darunter zum Beispiel viktorianische Gefängnisschiffe, Morte D'Arthur oder Shakespeare-Stücke, in denen die Entscheidungen des Parlaments verhandelt werden – mehr über London als Schauplatz erfahren, ohne dabei auf das typische Fallout-Gefühl verzichten zu müssen.

Welche Elemente der Kultur, Gesellschaft und Geschichte von London bzw. des Vereinigten Königreichs habt ihr besonders gern als Inspiration benutzt und mit der Fallout-Behandlung versehen?
Das Vereinigte Königreich hat eine wirklich lange und reichhaltige kulturelle Geschichte. Es gibt so viel, auf das man sich beziehen kann. Wir haben uns entschieden, kulturelle Klassiker wie die königliche Garde, mittelalterliche Ritter und Guy Fawkes einzubauen. Wir haben uns aber auch noch von anderen Dingen wie etwa den zwei Weltkriegen und der druidischen Tradition des Landes inspirieren lassen. Letztere begeistert mich besonders. Ein paar Charaktere von dieser Fraktion könnt ihr in unserem kürzlich veröffentlichten Ankündigungsvideo sehen.

Ihr habt bereits vor der vollständigen Veröffentlichung von Fallout London Mods für einige Kleidungsstücke und Waffen einzeln zugänglich gemacht. Wie kam es zu der Entscheidung für diese Veröffentlichungsstrategie?
Wir wissen genau, dass es für Leute in der Modding-Community nichts Frustrierenderes gibt, als sich auf etwas zu freuen, was am Ende nie erscheint. Wir nutzen diese kleinen Veröffentlichungen als Versprechen, dass wir das Projekt beenden werden. Als Kostprobe vom großen Ganzen sozusagen. Die vollständige Erfahrung wird dadurch ja nicht geschmälert, es ist nur ein Beweis, dass wir hier wirklich an Dingen arbeiten und dass die vollständige Mod kommen und das Resultat fantastisch sein wird.

Was erhofft ihr euch für den Moment, in dem die Spieler all das endlich selbst erleben können, wenn die vollständige Mod veröffentlicht wurde?
Wir hoffen, dass sich das Londoner Ödland für sie wirklich immersiv anfühlt. Wir haben eine Menge Arbeit darin investiert, eine stimmige Welt zu schaffen, die voller Leben steckt, Spaß macht und trotz unserer ganz eigenen Handschrift spürbar mit dem Fallout-Franchise zusammenhängt. Wir wollen, dass die Spieler das Gefühl haben, sich noch im Fallout-Universum zu bewegen, aber gleichzeitig eine neue Perspektive darauf einzunehmen.
Neben eurem gibt es auch eine ganze Reihe anderer ambitionierter Gemeinschafts-Modprojekte, die Fallout 4 in andere Städte verpflanzen. Gibt es da so etwas wie freundschaftlichen Wettstreit oder eine gegenseitige Inspiration unter den Teams?
Andere Teams inspirieren uns definitiv – manchmal haben wir das Gefühl, unsere Ambitionen noch weiter nach oben schrauben zu müssen, um mithalten zu können. Es gibt da draußen andere fantastische Projekte und wir sind mehr als froh, mit ihnen in freundschaftlichen Wettstreit zu treten, um zu sehen, wer die beste Erfahrung erschaffen kann. Wir haben auch sehr engen Kontakt zu anderen Teams und helfen uns gegenseitig – wir haben beispielsweise direkt mit dem Vault-13-Projekt zusammengearbeitet und ihnen im Austausch für Unterstützung beim Scripting und beim Level-Design mit 3D-Assets ausgeholfen. Es ist großartig, auf so eine Art und Weise mit anderen Teams zusammenarbeiten zu können. Wir hoffen natürlich, dass sich andere Modder da draußen auch von unserer Arbeit inspirieren lassen.

Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit an einem so ambitionierten Projekt von solchem Umfang und mit mehreren Leuten von der Arbeit an kleineren Mods, an denen du alleine gearbeitet hast?
Die Arbeit in einem großen Team hat sicherlich sowohl Vor- als auch Nachteile. In meiner Rolle als Projektmanager muss ich dafür sorgen, dass alle Beteiligten produktiv miteinander arbeiten und kontinuierlich weiterkommen. Dafür braucht es viel mehr Kommunikation und Koordination als bei einem Solo-Projekt. Auch wenn das auf seine eigene Art Stress verursachen kann, kommt man dabei in Kontakt mit anderen Leuten, die alle ihre ganz eigenen Talente haben und für dasselbe brennen wie man selbst. Ich habe ein paar langjährige Freundschaften knüpfen können, das ist schon sehr viel wert. Es ist manchmal schwer, die eigenen Freunde gehen zu sehen, besonders wenn sie anfangen, bei euch zu arbeiten! Da sieht man immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinterher.