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01. Juni 2020

Interview mit Komponist Benjamin Shielden

Musik spricht uns alle auf unterschiedliche Weise an.

Wie wir bereits in unserem Feature über die Entstehung der Musik von Arkane-Spielen erörtert haben, dient Musik der Inszenierung eines Spiels und dem Erzählen seiner Geschichte. Da sich das Dishonored-Vinyl-Box-Set nun im August auf den Weg in eure Vitrinen oder Regale macht, haben wir uns mit einem der „Geschichtenerzähler“ hinter der Dishonored-Hommage im Box-Set zusammengesetzt – dem französischen Komponisten Benjamin Shielden. Er verrät uns, was ihn dazu inspiriert hat, Musik für die Welt von Dishonored zu machen und wie er an seine Arbeit herangegangen ist.

Erzähl uns etwas über dich.

Ich bin Benjamin Shielden, ein französischer Autor, Drehbuchschreiber und Musikkomponist. Ich lebe dafür, etwas zu erschaffen – in meinem Kopf, der Realität und ein paar Bereichen dazwischen. Ich liefere üblicherweise Konzepte für Filme, Fernsehen und Markenwelten, aber Spiele sind definitiv ein Bereich, in dem ich mich eine Zeit lang niederlassen will.

Was reizt dich aus einer musikalischen Perspektive an Dishonored? Welche spezifischen Aspekte der Spiele haben die Hauptelemente deiner Musik inspiriert?

Meine ersten spielerischen Schritte machte ich in „A Blind Legend“ – einem wunderbaren Titel ohne Grafik. Der hat mich wahrscheinlich in Richtung des (eigentlich komplett gegenteiligen) Dishonored-Universums gebracht, wo alles nur Schönheit und visuelle Kunst ist. Aber es ging auch um Daniel Licht, mit dem ich seit den Anfängen meiner Karriere in Kontakt stand. Ich bin ein so großer Fan dieses Mannes und seiner Musik, und ich habe natürlich sofort die Gelegenheit ergriffen, mit ihm zu arbeiten. Es hat mir so viel gebracht, einige musikalische Konzepte für diese Welt zu schaffen, besonders mit einem Meister wie Daniel.

Zweifellos waren die Welt und ihre Bewohner eine gewaltige Inspiration für meine Musik. Die Art Direction von Dishonored ist so unglaublich und tief. Sie ist in einer gewissen Weise eine perfekte Umschreibung des Menschseins – eine Mischung aus Schönheit und Gewalt. Der ewige Tanz von Schatten und Licht. Dishonored ist mehr als nur Unterhaltung, es beeindruckte mich als eine Reise in eine Welt, die wir alle besuchen wollen.

Welches einzelne Instrument passt für dich am besten zu Dishonored?

Als ich an meinen Arrangements arbeitete, dachte ich über die Farbe des nächsten Spieles nach und wie man Daniels Vermächtnis durch die Suche nach einer neuen instrumentellen Assoziation ehren könnte. Und ich kann sagen, dass aufgrund der von Daniel gewiesenen Richtung das Cimbalom genau das Instrument ist, das am besten zu Dishonored passt. Es liefert das exakte musikalische Echo der Welt von Dishonored. Es ist metallen und virtuos, genauso wie Dunwall.

Spiegeln sich die verschiedenen Örtlichkeiten und Themen des Spiels auf unterschiedliche Weise in deiner Musik wider?

Natürlich! Ich glaube, dass jeder Song einen anderen Ort oder eine andere Stimmung widerspiegeln soll. „Ice Ocean“ beschreibt die besondere Landschaft, die [Sébastian Mitton, der Art Director von Arkane Lyon] erdacht hat. „Dunwall“ und „Curse“ drehen sich um das Schicksal dieser Stadt und ihrer Gesellschaft. Die Komposition von „Like a Shadow“ soll einen die präzisen Bewegungen Corvos spüren lassen – sein Atmen, seinen Herzschlag, wenn er sich langsam einen Gang entlangbewegt, der Augenblick, bevor er sich entschließt, zu handeln. Und „Doubt“ sowie „Oath“ sind Schlüsselmomente, in denen sich der Himmel verfärbt und die Welt davor steht, sich wegen einer einzelnen, fürchterlichen Entscheidung vor immer zu verändern.

Das Hauptthema meiner Kompositionen in diesem Vinyl-Set ist meine musikalische Umschreibung des Vermächtnisses und der Anmut von Attano und Caldwin.

Wie nimmst du das Musikmachen für eine bestehende Kreation in Angriff?

Es war das erste Mal, dass ich sowas überhaupt versucht habe, aber ich war einfach so ein großer Fan von Daniel Licht, dass es nicht wirklich schwer war. Daniel hat so viel für die Welt von Dishonored getan, dass ich spürte, dass nichts daran falsch sein könnte, seinen Spuren zu folgen. Diese Spiele sind von solch talentierten Leuten geschaffen, dass es einfach war, Ideen, Klänge, Melodien und Stimmungen immer weiter und weiter zu treiben.

Du hast viel für die Filmindustrie gearbeitet. Was ist der Unterschied zum Musikmachen für Spiele?

Es ist sehr anders, weil Spiele Musik anders nutzen. Wenn du etwas für eine Zwischensequenz mit einem vorgefertigten Ereignis komponierst, ist das ziemlich ähnlich. Aber wenn es um die Momente geht, in denen man wirklich spielt und frei agiert, dann ist das ein sehr andersartiger Prozess. Man muss sich seine Musik als endloses Stück vorstellen, bestehend aus verschiedenen Schichten, die hinzugefügt oder entfernt werden können, um verschiedene Emotionen und Aktionen auszudrücken. Das ist eine echte Herausforderung, aber da ich Adventure-Spiele mag, war es auch ein schöner und bereichernder Prozess.

Warum wolltest du diese Hommage machen? Was für ein Ergebnis hattest du dir erhofft?

Ursprünglich ging es darum, Musik für ein paar Ideen zu testen, an denen Arkane Studios damals arbeitete. Dann hat uns alle der tragische Tod von Daniel getroffen, und ich beschloss, das Ganze als Hommage an ihn und seine unglaubliche Arbeit in diesem Universum fertigzustellen. Sich an ihn anzulehnen, war eine Ehre. Wenn man direkt mit jemand verglichen wird, den man liebt und respektiert – das ist natürlich eine Herausforderung und ein Moment der Wahrheit. Ich glaube, wir haben's hinbekommen und es geschafft, einem großen Mann die Ehre zu erweisen.

Ihr könnt mehr von Benjamin Shieldens Musik auf seiner offiziellen Webseite hören und das Dishonored-Vinyl-Box-Set hier vorbestellen.

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Anne Lewis

Sr. Global Content Lead