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Fallout 4

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Fallout 4
22. September 2015

Fallout 4 – Informationen zum Soundtrack von Inon Zur

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Den seltsamen Geräuschen nach zu urteilen, die aus dem Garten nebenan kommen, würde es niemand Inon Zurs Nachbarn übel nehmen, wenn sie ihn für nicht ganz normal hielten.

"Im Grunde genommen gehe ich durch meinen Garten und hämmere auf Sachen ein", so Zur. Unter anderem streicht er auch gerne mal mit dem Cellobogen über einen Gartenstuhl und erzeugt damit, so erzählt er, einen "extrem schrillen" Klang. Würden besagte Nachbarn einen Blick in Zurs Haus werfen, könnten sie den Komponisten zwischendurch sogar am Klavier sitzen sehen. Was er dort macht, ist allerdings mehr als ungewöhnlich. "Ich traktiere das Klavier, indem ich die Saiten mit der flachen Hand anschlage und manchmal sogar beiße", verrät uns Zur und lacht.

Für den mehrfach preisgekrönten Komponisten ist das alles nichts Besonderes. Nachdem er die Soundtracks der Fallout-Reihe seit Fallout Tactics geschrieben und produziert hat, ist Zur mit seinen einzigartigen und ausdrucksstarken Klängen nun auch wieder für die Untermalung von Fallout 4 zuständig. Natürlich setzt er auch diesmal alle Hebel in Bewegung, um die charakteristischen Klanglandschaften zu erzeugen, die einen enorm wichtigen Teil des Fallout-Erlebnisses ausmachen. Da kann man eben nicht immer Rücksicht auf die Nachbarn nehmen ...

Aufwärmphase

Man sollte jedoch nicht denken, dass Zur sich nur von seinen Gartenmöbeln inspirieren lässt. Die Kombination unkonventioneller Instrumente mit klassischen melodischen Orchestrierungen ist zu einem kennzeichnenden Element der Fallout-Soundtracks geworden. Es gibt zwar durchaus erkennbare Melodien – darunter auch das Hauptthema (mehr dazu gleich) –, doch Zur erklärt uns, dass es bei Fallout 4 eher darum geht, sich durch abenteuerliche Klanglandschaften zu bewegen. In Zusammenarbeit mit dem Team von Bethesda Game Studios erstellt Zur einzigartige, zu den verschiedenen Umgebungen passende Kreationen. "Auf diese Weise sorgen wir für jeweils andere musikalische Erlebnisse, die zwar weniger melodiös sind, an die man sich aber viel mehr erinnert", so Zur. Mit anderen Worten: Es geht darum, den Spielern zu signalisieren, wo sie sind und warum sie dort sind. Außerdem sollen die emotionalen Dimensionen der Handlung von Fallout 4 unterstrichen werden.

Aber was bedeutet das ganz konkret für den Fallout 4-Soundtrack? Und worin unterscheidet er sich von bisherigen Soundtracks der Reihe? Für Zur ist es wichtig, die Menschlichkeit des Spiels einzufangen. Seit dem ersten Treffen mit Audio Director Mark Lampert und Game Director Todd Howard hatte Zur das Gefühl, dass es hier um eine persönlichere Geschichte als in den bisherigen Fallout-Titeln geht. Daher auch sein Vorschlag, das Klavier stärker im Soundtrack hervortreten zu lassen, um den persönlichen Ansatz in Fallout 4 besser widerspiegeln zu können.

"Bei mir zu Hause steht ein sehr schöner Flügel und damit habe ich das Hauptthema aufgenommen", so Zur. Todds erste Reaktion war gemischt: Ihm gefiel die Idee mit dem Klavier, allerdings fand er den Klang zu hell und fast schon durchdringend. Todd und Mark wollten etwas Wärmeres. "Also kombinierte ich ein echtes Klavier mit einem E-Piano-Sound", so Zur. "Der Klang ist rund und überhaupt nicht grell, sondern eher ziemlich breit". Als er es Todd und Mark vorspielte, wussten beide sofort, dass es das war, was sie wollten. "Danach habe ich den Klang mehrere Male verwendet", erklärt Zur. "Man hört ihn auch zuerst im Hauptthema. Das ist kein Fehler oder nur eine zufällige Entscheidung. Das Klavier bleibt innerhalb des gesamten Soundtracks präsent."

Ein Gefühl für den Ort

Ein speziell veränderter Klaviersound ist schön und gut, aber wozu sind der extrem schrille Gartenstuhl und das Herumgehämmere gut? Hierbei handelt es sich um eines der drei Hauptelemente, aus denen Klanglandschaften in Fallout bestehen: klassische Instrumente, elektronische Instrumente und ein nichtmusikalisches oder primitives Instrument. Das Ziel dabei besteht laut Zur darin, Spielern anhand einer speziellen Kombination dieser Instrumente zu vermitteln, wo sie sind. "In einigen Abschnitten des Spiels fanden wir ein orchestraleres Feeling passender, allerdings mit einem Akkordeon als Hauptinstrument", so Zur. "Für andere Bereiche habe ich auf einer improvisierten Ocarina herumprobiert, um für Luftigkeit und einen schrillen Klang zu sorgen".

Hört euch das Hauptthema und "The Last Mariner" aus dem Fallout 4-Soundtrack an.

Wie bitte? Ein Akkordeon? Ganz genau. Die Idee kam direkt von Lampert. "Mark stellt da immer solche … Überlegungen an", verrät Zur. "Manchmal möchte er Instrumente verwenden, auf die ich im Leben nicht kommen würde". Aufgrund ihrer langen Zusammenarbeit haben die beiden aber eine tiefe und vertrauensvolle Beziehung entwickelt. Daher kann Zur die Musik liefern, die seiner Meinung nach zu Lamperts vorgegebener Richtung passt und bei der stets die Möglichkeit für Feedback sowie Feinabstimmungen besteht. Als Lampert das Akkordeon vorschlug, um den Sound eines bestimmten Bereichs klarer zu definieren, ließ es Zur daher auf einen Versuch ankommen.

"Es war wirklich lustig", erinnert sich Zur. "Es geht hier ja um sehr ernsthafte Musik. Es geht um das Commonwealth. In einigen Abschnitten gibt es englische und irische Elemente, um die Farbe des Commonwealth rüberzubringen. Das Akkordeon ist jedoch ein in Frankreich und Osteuropa verwendetes Instrument, das für viele Menschen fröhlich und fast schon bizarr klingt. Wer hätte gedacht, dass dieser einzigartige Akkordeonklang zu einem der charakteristischsten Elemente des Soundtracks werden würde? So was kann man nie wissen! Manchmal braucht es eben ein bisschen Vertrauen".

Von der Verzweiflung zur Hoffnung

Wo wir gerade Vertrauen erwähnt haben, eines der Elemente des Fallout-Soundtracks mit dem höchsten Wiedererkennungswert ist das Hauptthema selbst. Das brachte uns zu der Frage, was es so kraftvoll und effektiv macht, um Spieler in die Welt von Fallout zu versetzen.

"Ich habe das Hauptthema ursprünglich für Fallout 3 komponiert", so Zur. "Im Grunde genommen gibt es zwei Akkorde, um die Zweiteilung in Fallout widerzuspiegeln – die Verzweiflung des Kriegs einerseits, aber andererseits auch die Hoffnung auf eine Zukunft. In Fallout sind wir stets hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung, Dunkelheit und den vielen in der Welt lauernden Gefahren auf der einen Seite sowie der Hoffnung, eine bessere Welt erschaffen zu können, auf der anderen".

Um dieses Prinzip der Dualität einzufangen, hat Zur zwei Tonarten miteinander kombiniert. "Es gibt diesen Moll-Akkord, der zu einem Dur-Akkord hinführt – oder einen Dur-Akkord, der fast wie ein Moll-Akkord zu einem Dur-Akkord führt. In ihrer Kombination – also immer Moll und Dur gleichzeitig – ergeben sie dieses bittersüße Fallout-Gefühl". Diese Zweiteilung – der düstere Klang eines Moll-Akkords, der zum fröhlichen Optimismus des Dur-Akkords führt – definiert das Fallout-Thema. "Das ist charakteristisch für Fallout", so Zur. "Man beginnt in der Trostlosigkeit und danach kommt die Hoffnung. Sehr einfach, aber es funktioniert jedes Mal wunderbar."

Der Beginn einer Reise

Worauf können sich die Fans noch freuen, wenn sie Inon Zurs Soundtrack hören? "Also für mich lauten die wichtigsten Fragen: Wo befinden wir uns in der Geschichte? Und: Wohin möchten wir den Spieler auf dieser Reise führen? Wir können auf jeden Fall eine Menge Emotionen und Wendungen erzeugen. Wir können den Spieler beeinflussen, um die Geschichte durch Musik zu unterstützen. Aber hauptsächlich geht es um das Gefühl. Wir versuchen Klanglandschaften zu erschaffen, die den emotionalen Aspekt eines Bereichs unterstreichen".

Aus diesem Grund ist die einzigartige Kombination von Instrumenten so wichtig für den Soundtrack von Fallout 4. "Ich will etwas Unverbrauchtes", so Zur. "Etwas, das nach einem Anfang klingt". Wenn der Spieler zum ersten Mal aus dem Vault heraustritt, beginnt er eine neue Reise. Er sieht eine Welt, die zerstört wurde – widergespiegelt durch die perkussiven "Nicht-Instrumente". Wenn er danach jedoch die offene Welt erkundet, sieht er auch überall um sich herum Natur, dargestellt durch die musikalischeren, aber primitiven Instrumente. Währenddessen werden die emotionalen Aspekte des Spiels durch die orchestralen Klänge unterstützt.

Es dreht sich also alles um die Freude am Entdecken während einer langen Reise. Und genau darauf freut sich auch Zur, wenn er Fallout 4 am 10. November 2015 nach dem weltweiten Erscheinen für Xbox One, PlayStation 4 und PC spielen wird. Genauso wie Zur seinen Garten erkundet und natürliche Klänge findet, die zum Soundtrack des Spiels passen, möchte er auch durch das Ödland streifen und entdecken, was es zu entdecken gibt. "Nach dem Spielstart werde ich wahrscheinlich als Erstes einfach nur gehen", so Zur. "Die jüngeren Spieler suchen vielleicht nach Gegnern oder Attraktionen ... Aber die kommen von allein, ob man will oder nicht. Ich möchte alles aufsaugen. Ich möchte mich umsehen. Ich möchte entdecken".

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Gary Steinman

Senior Director, Global Content