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Dishonored 2

Dishonored 2
07. November 2016

Dishonored 2 – Interview mit dem Corvo-Darsteller

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Dishonored 2

Der einst so schweigsame Protagonist Corvo Attano kehrt in Dishonored 2 zurück – mit einem großen Unterschied: Er ist nicht nur 15 Jahre älter.

Er dient nicht nur als Kaiserlicher Schutzherr und Meisterspion zugleich. Er verteidigt nicht nur seine Tochter Emily Kaldwin weiterhin vor allen möglichen Gefahren. Vor allem hat Corvo Attano in Dishonored 2 jetzt eins: eine eigene Stimme.

"Im ersten Spiel war Corvo noch stumm. Raphael Colantonio und ich wussten immer, dass wir genau den richtigen Schauspieler brauchen, falls er jemals sprechen würde", erinnert sich Creative Director Harvey Smith. "Wir träumten davon, Stephen Russell zu engagieren, der bei den ersten Thief-Titeln Garrett spielte. Wir lieben Stephens Schauspielerei, seinen Ernst. In Dishonored 2 verkörpert er diesen knallharten Actionhelden, einen Mann, der zu viel gesehen hat. Zugleich sorgt er für eine gewisse Nuance und porträtiert einen Protagonisten, der sehr nachdenklich ist. Gefühlvoll und schlau. Das ist unser Corvo."

Russell ist ein erfahrener Darsteller, Autor und Regisseur, der vielen denkwürdigen Spielcharakteren seine Stimme geliehen hat, darunter Codsworth und Nick Valentine in Fallout 4. Er war begeistert, eine Rolle anzunehmen, die so viel Tiefgang und Charakter hat. Wir wollten von Russell wissen, wie man den richtigen Ton für einen übernatürlichen Assassinen findet und was ihn an Corvo Attano am meisten inspiriert.

In der deutschen Version wird Corvo Attano von Manfred Lehmann gesprochen, der u.A. auch die deutsche Stimme von Bruce Willis ist.

Was findest du an einem Charakter wie Corvo spannend?

Es ist die Komplexität, die Ambivalenz. Bei so einem Charakter frage ich mich immer, was er so macht, wenn er nicht gerade im Dienst ist. Ich habe den Verdacht, dass er seine Arbeit nie ganz aus dem Kopf kriegt. Aber ich denke, dass er froh sein wird, wenn er eines Tages sein Schwert an den Nagel hängen kann. Ich glaube nämlich, dass er ein komplexes Wesen hat, zu dem mehr gehört als nur sein Job.

Wie ist das so, einen bereits existierenden Charakter darzustellen, der im ersten Spiel noch keine Stimme hatte?

Dass er vorher keine Stimme hatte, war ein interessanter Nebenaspekt, aber die meiste Zeit habe ich nicht groß daran gedacht. Die Fülle an Informationen und die Hintergrundgeschichte halfen uns wirklich dabei, einige Entscheidungen vor Beginn der Studioaufnahmen zu fällen. Letztendlich hängt bei der Darstellung so viel vom Drehbuch ab. Wenn man einen Charakter vertont, der bereits so gründlich durchdacht und komplex ist, werden alle Entscheidungen viel klarer.

Corvo ist ein alternder Held, der noch einmal ran muss, um Tochter und Reich zu retten. Wie hast du Weltschmerz und Erschöpfung als Stimmung eingefangen, zugleich aber die Elemente beibehalten, die aus ihm einen knallharten Assassinen machen?

Das ist ein schmaler Grat, auf dem man da wandelt. Ich bin wirklich dankbar dafür, dass Wes Gleason bei den Aufnahmen Regie führte. Er hat so ein gutes Gespür und ich habe mich auf sein Urteil verlassen, um auf diesem Grat zu bleiben.

Ich bin ja selber nicht mehr der Jüngste, da fällt es mir nicht allzu schwer, Verständnis für das Älterwerden und den Weltschmerz zu haben. Ich machte mir vielleicht Sorgen um den knallharten Assassinen, das war eher der Aspekt, auf den wir achten mussten.

Aber du hast mit dem Dieb Garrett bereits einen der krassesten Helden gespielt. Das war eine der Rollen, wegen der Harvey und das Arkane-Team auf dich zugekommen sind. Du musst den harten Burschen also irgendwie in dir haben …

[lacht] Das ist sicherlich nicht, wer ich bin! Ich habe keine Praxiserfahrungen in einer solchen Rolle. Aber Corvo ist eine Art Archetyp. Ich denke, dass in jedem von uns ein klein wenig von Corvo und ein klein wenig von Garrett steckt. Diese Person, die quasi ihre eigenen Regeln aufstellt und zugleich ein Ehrgefühl hat, ein Gerechtigkeitsgefühl und ein klares Gefühl für ihre eigene Aufgabe und ihren Platz in der Welt.

Wie unterscheiden sich Corvo und Garrett?

Corvo ist jemand, der sich seit vielen, vielen Jahren – während seines gesamten Berufslebens – unter Leuten von Rang bewegt, Leuten mit Macht. Obwohl er selber nicht aus diesem Milieu stammt, fühlt er sich wohl darin. Garrett ist jemand von der Straße, der die meiste Zeit ein Außenseiter war. Dagegen verkehrte Corvo in diesen Kreisen von Macht und Einfluss und wurde zu einem Teil dieser Welt. Das ist ein unterschiedlicher Aspekt seines Charakters.

Und dennoch ist Corvo auch ein Außenseiter. Er stammt nicht aus Dunwall, hier wird er nicht immer akzeptiert. Nun kehrt er zum ersten Mal seit langer Zeit zurück in seine Heimat Karnaca. Ist das ein Aspekt, den du bei deiner Darstellung eingefangen hast?

Ja, das war ein wirklich interessanter Teil dieses Projekts, denn wir Schauspieler verbringen eine Menge Zeit von zu Hause weg. Ich bin in einem Teil des Landes aufgewachsen, den ich nur noch selten besuche. Ich bin also sehr mit all den gemischten Gefühlen vertraut, die damit verbunden sind, wenn du in deine Heimat zurückkehrst. Zurück zu Leuten, die dich als Kind kannten, aber vielleicht nicht damit gerechnet haben, was für ein Erwachsener aus dir geworden ist. Es war für mich also nicht schwierig, das zu verstehen und mich davon inspirieren zu lassen.

Je nach Spielweise ändern sich Corvos Dialoge. Wie ist das so, verschiedene Varianten für denselben Charakter zu sprechen?

Das war fast so, als hätte ich zwei voneinander getrennte Jobs. In der Hinsicht war es wirklich eine interessante Herausforderung. Das war ein weiterer Aspekt, bei dem Wes' Anweisungen während der Aufnahmen so wertvoll waren. Denn die Unterschiede zwischen den Versionen für hohen und niedrigen Chaos-Faktor sind manchmal überraschend subtil.

Was sind aus deiner Sicht die Säulen von Corvos Charakter und Persönlichkeit? Was treibt ihn an?

Sein Ehrgefühl, sein Einsatz für die Gerechtigkeit – und vor allem seine unglaubliche Liebe zu Emily. Sie steht so sehr im Mittelpunkt dieses Spiels, dass sie nie weit von den Geschehnissen entfernt ist, auch wenn du nur als Corvo spielst. Das ist ein wichtiger Teil von dem, was ihn antreibt.

Corvo ist ein vielschichtiger Charakter. Was ihn auch so interessant macht, sind diese Nuancen, die hinter der Oberfläche seiner Persönlichkeit stecken. Du kannst sie bei seinen Dialogzeilen und hoffentlich auch in meiner Darstellung spüren. Sie offenbaren, dass er eine sehr komplexe Person ist.

Lass uns etwas mehr über Corvos Beziehung zu Emily reden. Wie siehst du diese Dynamik?

Es ist eine Vater-Tochter-Beziehung, eine der stärksten Bindungen, die es überhaupt gibt. Emily steht so sehr im Mittelpunkt von allem, was Corvo zu erreichen versucht – sowohl aus Liebe zu ihr als auch mit Blick auf die Aufgaben im Spiel. Darauf geht alles zurück.

Ich bin selber Vater und mir sind einige dieser Gefühle sehr vertraut. Niemand ist erbitterter als ein Elternteil, dessen Kind in Gefahr ist.

Was bewunderst du sonst noch an Corvo?

Ich finde es gut, wie er sich unter den Reichen und Mächtigen bewegt, aber dabei niemals vergisst, wo er herkommt. Er ist ein Mann des Volkes, ein Mann der Straße, und er entfernt sich nie weit von diesem Teil seines Charakters. Das mag ich an ihm. Ich glaube nicht, dass er wirklich viel Spaß daran hat, von vergoldeten Tellern zu speisen.

Harvey Smith erzählte uns, dass er neulich mit dir in New York auf einer Dishonored-Party war, wo die Fans den Maschinenhaus-Level spielen konnten. Er war richtig gerührt, mit wie viel Ehrfurcht und Enthusiasmus die Spieler mit dir über Corvo redeten.

Zunächst einmal war es wirklich toll, Harvey bei so vielen der Aufnahmen mit im Studio zu haben, denn er kennt den Charakter besser als jeder andere. Es kamen gar nicht erst viele Fragen auf, weil das Drehbuch ziemlich klar war, was die Intention des Charakters betrifft. Aber wann immer etwas infrage gestellt wurde, konnten Wes und ich uns an Harvey wenden, der alles geklärt hat.

Einige der Leute, die das Spiel schon ausprobieren konnten – wie die Fans von dieser Party – bestätigen in gewisser Weise unser Gefühl: Sobald sie die Gelegenheit haben, den Charakter mit Stimme zu erleben, werden die Spieler angenehm überrascht sein. Sie sind wieder in derselben Welt zurück, durch die das erste Spiel so beliebt wurde. Und diese Welt ist jetzt noch tiefgründiger, herausfordernder, umfassender und mitreißender.

Die Aufnahmen sind jetzt abgeschlossen, wie war rückblickend die Zusammenarbeit mit dem Team von Arkane?

Es ist immer eine Freude, an einem Projekt mit so klarer Vision mitzuwirken. Ich habe riesigen Respekt vor der Arbeit, die Arkane leistet. Und es hat immer eine gewisse Behaglichkeit, mit Leuten zu arbeiten, die du schon kennst – und von denen du weißt, dass sie tolle Arbeit leisten. Ich wusste, dass das Drehbuch gut sein würde. Ich wusste, dass die Liebe zum Detail außerordentlich sein würde. Arkanes Hingabe, das bestmögliche Spiel zu produzieren, ist unerschütterlich. Und ganz nebenbei sind es alles echt nette Leute!

Weitere Informationen zu Dishonored 2 findet ihr in diesen Artikeln und Videos auf Bethesda.net:

Dishonored 2 – Corvo Attano im Rampenlicht
Dishonored 2 – Interview mit der Emily-Darstellerin
Dishonored 2 – Die Erschaffung von Karnaca
Dishonored 2 – Anpassungsfähige Helden

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Gary Steinman

Senior Director, Global Content