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12. Oktober 2022

Bethesda feiert den Hispanic Heritage Month

Seid dabei, wenn wir den Hispanic Heritage Month feiern.

Dazu interviewen wir Andrew Siañez-De La O (Bühnenstück-/Hörspielautor und Writer-Designer bei ZeniMax Online Studios), Roddy Colón (Associate Social Media Manager) und Ricardo Graham (Lead Character Artist für The Elder Scrolls Online).

Diese wertvollen Mitglieder der Bethesda-Familie berichten über ihren einzigartigen und persönlichen Erfahrungen zur Frage, was ihre Hispanic Heritage für sie bedeutet, wie diese Erfahrungen ihre Karriere bei Bethesda beeinflusst haben und über die Wichtigkeit kulturellen Stolzes.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, eure Geschichten und Erfahrungen mit uns zu teilen.


Erzählt uns ein wenig über euch und euren persönlichen Hintergrund.

Andrew Siañez-De La O: Als Mexican American, der direkt an der Grenze aufgewachsen ist – Grüße gehen raus an El Paso, Texas – habe ich das Gefühl, dass meine Heritage einem alten Fernseher ähnelt, bei dem der Empfang nie wirklich störungsfrei ist. Meine Identität wabert zwischen den beiden Seiten der Grenze hin und her und scheint nie vollständig zur Ruhe zu kommen. Sie ist nie von Dauer und irgendwie schwammig, aber in der Art und Weise, wie sie sich je nach meiner Entwicklung als Person und meinem Verhältnis zu meiner Kultur verändert, auch sehr frei.

Ich habe ein aktuelles Foto und auch zwei ältere Fotos mitgebracht, die ein wenig über meinen Hintergrund verraten. Auf dem einen bin ich als Kind zu sehen, zu der Zeit, als wir im El Sala Barrio von El Paso gelebt haben. Das andere zeigt meine Familie am Anfang des 20. Jahrhunderts, ein paar Jahre bevor sie sich der Mexikanischen Revolution anschloss.


Andrew Siañez-De La O

Roddy Colón: Mein Name ist Roddy und ich arbeite seit ein paar Jahren bei Bethesda. Ich habe zuerst in der Qualitätssicherung gearbeitet und bin jetzt Teil unseres Community-Marketing-Teams in der Position eines, wie ich es nenne „netten Kunsttypen von nebenan“ (Associate Social Media Manager). Ich wurde an einem 37°C heißen Tag in San Juan, in Puerto Rico geboren. Puerto Rico ist eine Insel in der Mitte der Karibik, die zwischen Nord-/Zentralamerika und Europa liegt (wie das Königreich Númenor). Heritage und Kultur der Insel sind das Ergebnis der Vermischung verschiedenster Menschen europäischer und afrikanischer Abstammung und einer 500 Jahre umspannenden Migrationsgeschichte. Die Herkunft meiner Ahnen lässt sich bis nach Spanien, Italien und in verschiedene Teile der Karibik nachverfolgen.


Roddy Colon

Ricardo Graham: Mein Name ist Ricardo Graham, aber alle nennen mich Rico. Ich bin der Lead Character Artist für The Elder Scrolls Online. Meine Mutter ist Puerto Ricanerin, mein Vater ist weiß. Ich bin in einem mehrheitlichen Hispanic-Haushalt und mit vielen verschiedenen puerto-ricanischen Gerichten aufgewachsen. Dazu gehören vor allem Reis mit Bohnen, Platanos, Empanadillas, Pasteles und Tostones. Und natürlich Mofongo!


Ricardo Graham

Was macht euch stolz auf eure Familiengeschichte?

Siañez-De La O: Das klingt vielleicht ein bisschen sehr nach Melodrama, aber was passt schon besser zu einer mexikanischen Identität als ein Hang zum Dramatischen: Meine Herkunft ist wie ein Gespenst, das mich immer wieder heimsucht. Darin verbindet sich eine lange Geschichte von intergenerationellem Trauma und gesellschaftlicher Unsicherheit mit der Resilienz und dem Durchhaltevermögen aller Personen, die vor uns da waren. Mit dieser blumigen Umschreibung will ich eigentlich nur sagen, dass Menschen mit mexikanischer Heritage sich immer gegen ihre Unterdrücker zur Wehr gesetzt und einen Ort gefunden haben, an dem sie weiter gedeihen konnten und das auch weiterhin tun werden.

Colón: Ich wünschte, dass mehr Menschen Zugang zu dieser Mixtur aus verschiedenen Kulturen, Speisen, Mode, Musik und Traditionen hätten. Ich habe viele verschiedene Orte auf der ganzen Welt bereist und an einigen gelebt, aber es gibt so eine bestimmte Wärme, eine tiefe Aufrichtigkeit und ehrliche Leidenschaft, die ich nur schwer in Worte fassen kann und nur an ganz wenigen Orten erlebt habe. Ich glaube, die Traditionen anderer Leute anzunehmen und sie zu zelebrieren, lässt in uns allen das Beste zum Vorschein kommen.

Graham: Ich schätze vor allem die Gemeinschaft und Liebe in Hispanic-Kulturen. Wenn man auf der Insel ist, sieht man, wie sich alle besonders in Krisenzeiten, wie etwa nach den Hurricanes, gegenseitig helfen. Puerto Ricaner sind für ihre Widerstandsfähigkeit in schweren Zeiten bekannt und haben schon viel durchgestanden. Außerdem liebe ich unser Essen wirklich sehr. Die Leute lieben es, immer ganz frisch zu kochen, weil fast alle Zutaten direkt auf der Insel angebaut werden!

Was würdest du jemandem, der wenig über deine Heritage weiß, als Erstes zeigen?

Siañez-De La O: Einen tollen Ausgangspunkt bildet Alfonso Cuaróns Film „Y tu mamá también“ von 2001 aufgrund seiner Darstellung von jugendlichem Leben in Mexiko und den Fragen zu Klasse und Maskulinität, die er behandelt. Außerdem kann man sich gut und gerne Juan Gabriel oder Selena anhören, weil die beiden ganz neu definiert haben, was mexikanische Musik sein kann. Aber auch ein ganz einfaches Glas mit hausgemachtem Agua Fresca – ich mag Gurke-Limette am liebsten – kann als Kostprobe für mexikanische Heritage dienen.

Colón: Wer es liebt, Geschenke vom Weihnachtsmann zu bekommen, sollte wissen, dass Puerto Ricaner im Winter noch einen Feiertag begehen, an dem nachts Geschenke für die Familie hinterlassen werden – „Heilige Drei Könige“ Anfang Januar. Musik, Essen, Tanz, Strandtage, zu hören, wie jemand „Los Elder Scrolls“ sagt – es gibt so viel, womit man anfangen könnte.

Andere Funfacts zu Puerto Rico:

  • Der Piña Colada wurde in der Hauptstadt San Juan erfunden.
  • Miles Morales aus dem Marvel-Universum ist zur Hälfte Puerto Ricaner.
  • Ponce de Léon, der nach dem Jungbrunnen gesucht hat, liegt in San Juan begraben.

Graham: Zuallererst würde ich auf das Essen verweisen. Puerto-ricanisches Essen legt viel Wert auf Geschmack. Auf der Insel gibt es ein paar fantastische Restaurants! In San Juan findet man einige Restaurants mit Michelin-Stern, die Essen servieren, das zu dem Besten gehört, das ihr jemals essen werdet. Außerdem würde ich anderen gern unseren köstlichen Kaffee empfehlen! Viele gemahlene Kaffees aus Puerto Rico werden mit Früchten oder Schokolade angereichert und bekommen so einen besonderen Geschmack.

Es gibt viele Puerto Ricaner, die aktiv daran arbeiten, der Hispanic-Community zu helfen. Einer davon, den ich sehr schätze, ist Lin Manuel Miranda, der das Stück Hamilton geschrieben und darin mitgespielt hat. Er hat eine vornehmlich weiße Geschichte genommen und sie mit einem divers zusammengesetzten Ensemble neu interpretiert. Er war an dem Disney-Film Encanto beteiligt und hat Hispanic-Kindern damit ermöglicht, Filme mit Charakteren zu sehen, die wie sie aussehen.

Ich würde anderen auch unsere Musik zeigen. Reggaeton ist eines der beliebtesten Genres. Egal, wo man in Puerto Rico ist, überall wird Reggaeton gespielt. Die Leute lassen es für alle hörbar im Auto, an Straßenecken, auf ihren Booten und sogar am Strand laufen.

Wie hat eure Heritage eure Karriere bei Bethesda beeinflusst?

Siañez-De La O: Weil sich der Großteil meiner Arbeit als Autor um Bühnenstücke und Hörspiele gedreht hat, habe ich mein Schaffen immer als Möglichkeit betrachtet, Narrative und Gelegenheiten zu erschaffen, die meine Herkunft im Grenzland widerspiegeln. Ich bin der festen Überzeugung, dass meine Grenz-Perspektive den Geschichten, die ich schreibe, mehr Tiefe verleiht, ganz egal, ob es sich um Science-Fiction, Geschichten aus dem realen Leben oder Fantasy handelt. Meine Sicht hilft meinem Publikum auch dabei, seine Vorstellungen von dem, was Latinx/e-Storytelling sein kann, zu erweitern.

Colón: Ich würde meine Kultur am treffendsten als Schmelztiegel verschiedener Traditionen beschreiben – meine Arbeit und meine künstlerische Vision folgt dabei demselben Prinzip. Ich habe einen schnellen Stil entwickelt, der jeweils ein bisschen von japanischer Animation und dem Stil von Marvel- und DC-Comics verschmelzen lässt, um ein vertrautes, aber auch ganz eigenes Resultat zu erzielen. Dann habe ich noch einen langsameren, zeitlich intensiveren Stil entwickelt, für den ich neoklassische, traditionelle Malerei mit 3D-Renderings für die Ausleuchtung und Perspektiven vermische. Diese Kombinationen mögen etwas seltsam klingen, aber sie passen wunderbar zusammen. Für mich bedeutet künstlerische Arbeit, auf eine Bandbreite an Erfahrungen und Inspirationen zurückzugreifen und diese visuell auszuspielen. Ich liebe es, unbeschwerte, knallige Kunst zu schaffen, in der eine große Bandbreite an Charakteren Spaß haben oder ganz und gar in ihrem Element sind – ich persönlich stelle mir dabei ehrlich gesagt einen schönen Tag am Strand umgeben vom Gesang der Wellen vor.

Graham: Wir hatten nicht viel, als ich aufgewachsen bin. Meine Eltern haben keinen Highschool-Abschluss, aber ich war fest entschlossen, mich aus diesem Leben herauszuarbeiten. Die Kunst war für mich nicht nur zur Leidenschaft, sondern auch zu einer Art Besessenheit geworden. Ich dachte, dass ich mir durch harte Arbeit und vollen Einsatz Zugang zu einem besseren Leben verschaffen und dieses auch für meine Frau und mein Kind ermöglichen könnte. Als ich dann in der Videospielindustrie angefangen habe, fiel mir auf, dass es nur wenige Leute gab, die wie ich aussahen, besonders in den höheren Management-Ebenen. Das hat mich angestachelt, eine Karriere als Führungskraft zu verfolgen. Ich wollte diesen Weg aus vielerlei Gründen gehen, aber einer davon war, dass ich Menschen anderer Minderheiten dazu ermutigen wollte, dasselbe zu tun. Diversität liegt mir am Herzen und ist definitiv eine treibende Kraft für mein Handeln. Als Kind hätte ich mir nie träumen lassen, irgendwann an diesem Punkt zu sein. Viele von uns wussten nicht mal, dass das überhaupt möglich ist. Dank ZeniMax und einigen wunderbaren Leuten in der oberen Führungsebene habe ich die Chance bekommen, diesen Weg zu gehen – es war eine unglaubliche Reise.

Welche Bedeutung hat der Hispanic Heritage Month für dich?

Siañez-De La O: Ich glaube, dass es für mich darum geht, Wertschätzung für unser Erbe und seine Bedeutung zu zeigen und gleichzeitig Platz für die nächste Generation zu machen. Dieser Zeitraum ist zweifelsohne dafür da, Wertschätzung für all jene historischen Persönlichkeiten zu zeigen, die etwas bewegt haben, aber wir sollten auch neuen Stimmen mehr Platz einräumen und sie mehr ins Rampenlicht stellen. Wenn ich eine Hausaufgabe geben dürfte, würde ich vorschlagen, sich einem Film oder einem Buch einer dieser neuen Stimmen zu widmen und jemand anderem davon zu erzählen.

Colón: Ich nehme mir Zeit, um zu realisieren, wie verbunden ich mich mit meinen Großvätern und Urgroßmüttern fühle. Man kann erkennen, dass andere Kulturen in der Karibik, Zentral- und Südamerika und in Teilen von Europa eigentlich nur verschiedene Versionen von gemeinsamen Traditionen, Bräuchen und Geschichten darstellen.

Graham: Für mich ist der Hispanic Heritage Month eine Zeit, in der Leute aus der Hispanic-Community ihren Stolz für alle sichtbar nach außen tragen sollten. Es ist eine Chance, andere Leute über unsere Kultur, unsere Geschichte und unsere Traditionen aufzuklären.

Würdet ihr gern sonst noch etwas loswerden?

Colón: Ich bin in der Karibik aufgewachsen und habe gehofft, eines Tages an einem Videospiel mitzuarbeiten, obwohl ich keinen blassen Schimmer davon hatte, wie ich das anstellen soll. Damals sah ich in meinen Lieblingsvideospiele nur Namen, die nicht mal ansatzweise meinem Namen ähnelten (zugegeben – Roddy ist ein seltsamer Name). Menschen, die anderen dabei helfen, voranzukommen, ermöglichen es Leuten wie mir, Träume zu haben. Ich bin dankbar, froh und sehr stolz, sagen zu können, dass es, wenn es bei mir geklappt hat, ohne Zweifel auch bei euch klappen kann.

Graham: Momentan hat Puerto Rico mit einem verheerenden Hurricane zu kämpfen. Es gibt keinen Strom, Gebiete werden überflutet und von Schlammlawinen verwüstet. Bitte seid in Gedanken bei den Menschen dort und betet in diesen schweren Zeiten für sie.

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